Ein Graffiti an der Straßenecke, eine Anzeige im Netz. Mal als komplexe Geschichten, mal nur als Fetzen. Mal nehmen wir sie bewusst wahr, häufig nur unbewusst und oftmals überhaupt nicht: Texte. Zum Schutze einer Überfrachtung an Informationen blenden wir sie gerne aus – oder überfliegen sie. Mit Inhalten bombardiert, entscheiden wir uns schon nach wenigen Sekunden, das Textangebot wahrzunehmen oder abzuspringen. Das unliebsame Wort, das diesen Tatbestand beschreibt, schimpft sich Aufmerksamkeitsspanne. Diese sinkt von Jahr zu Jahr und wurde zur Genüge ergründet. Für unsere nova ist sie so etwas wie der ewige Erzfeind – unser persönlicher Bowser sozusagen. Immerhin möchten wir wissenswerte Inhalte mit der anvisierten Zielgruppe matchen. Also begaben Caro und ich uns kurzerhand auf die Suche nach der Essenz eines Textes. Unser Ziel: dem Zuviel an Formulierungen ein Ende bereiten! Der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne ihre Macht entziehen. Die Fortbildung „Einfach und prägnant formulieren“ ward gebucht und unsere Mission begann.

Einfach und prägnant formulieren – durch Kürze!

Wir lernten, wie lange ein Satz so sein sollte. Worauf man achten muss, dass Infos bei Leser*innen einschlagen. Als Freundinnen und Freunde des gepflegten Wortes kam uns einiges davon bereits bekannt vor. Dennoch konnten gerade die vielfältigen Übungen unsere textlichen Sinne schärfen. Nüchtern wurde uns dargelegt, wie viel Schrott eigentlich so geschrieben wird. Und das – leider mal wieder – insbesondere im Web. Mit Wortfluten wird online an der Zielgruppe vorbei formuliert und damit vielmals umsonst geschrieben. Etwas, das wir in unserem Arbeitsalltag unbedingt vermeiden möchten. Also lauschten wir weiter den scharfzüngigen Worten unseres Referenten.

Die für uns vielleicht weitreichendste Lehre offenbarte sich mit einem Leitsatz. Dieser lautete: wirklich gute Sätze umfassen 10-15 Wörter. Eine Erkenntnis, die nova-intern mittlerweile zum elften und zugleich höchsten Gebot aufgestiegen ist. Gerade in den anschließenden Wochen wurde kein Satz ohne akribisches Nachzählen formuliert. Ja, das hatte mitunter Zwangscharakter. Doch von diesem konnten wir uns – sehr zur Freude unserer Mitmenschen – auch wieder befreien. Heute wissen wir, dass ein Satz auch mal 16 oder mehr Wörter haben darf. Immerhin entsteht dadurch auch so etwas wie ein Leserhythmus. Dennoch sollten solche Konstruktionen die Ausnahme bleiben. Wir wollen ja nicht ins Leere schreiben, sondern Herz und Interesse unserer Zielgruppe treffen. Übrigens: Kürze nicht nur in Sätzen suchen! Auch in den Worten selbst sollte diese zu finden sein. Und so wurde ein weiteres Gesetz erhoben: Silben zählen! Denn wenn man die Erbsenzählerei mit Erbsenzählen abkürzen kann, sollte man dies auch tun.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – oder Zahlen.

Eine weitere Möglichkeit, an Prägnanz zu gewinnen, ist das bildliche Schreiben. Es ist eine alte Floskel, die aber wieder einmal zutrifft. Ein präzises Bild macht viele Worte überflüssig. Dadurch gewinnt der Text nicht nur an Präzision, sondern entfaltet nebenbei seine Atmosphäre. Bevor man ausufernd über Glücksgefühle berichtet, genügt der Griff zum Feuerwerk. Ist die Gemütslage mal nicht so prächtig, können wir uns wortsparend bei der Wolke bedienen. Aber auch hier gilt: ungewöhnliche Bilder sorgen für Spannung und Überraschung. Folgt nach jeder Wolke ein Feuerwerk, wird es auch schnell langweilig. Besonders wichtig werden diese Bilder beim Gebrauch abstrakter Zahlen. Diese sind für Leser*innen meist nicht griffig und erzeugen keine Bilder vor ihren inneren Augen. Der Weltrekord im Weitsprung von 8,95 m hört sich super an. Noch besser, wenn man verbildlicht, dass damit zwei SUV-Längen weit gesprungen wurde.

Am Ende war das Zählen.

Was bleibt also rückblickend von unserer Fortbildung? Eine überstandene Zwangsstörung, vielfältige Eindrücke und neue Ansätze, wie wir mit Texten umgehen. Wir formulieren nicht nur präziser, unser Sprachgefühl und -sinn haben allgemein einen Feinschliff erfahren. Viele der Leitsätze und Gesetze beachten wir seither in unserem Arbeitsalltag bewusst. Manche Regeln dagegen haben sich heimlich in unserem Unterbewusstsein verankert. So lese ich gerade meinen Blog-Beitrag Korrektur und bin etwas überrascht – ja schockiert. Kein Satz ist in diesem zu finden, der die magischen 15 Wörter überschreitet. Auf den Schock folgt die Erkenntnis: Fortbildung geglückt, würde ich sagen. Die Prägnanz, sie wurde gefunden. Die neue Mission lautet nun: unsere Kundinnen und Kunden daran teilhaben zu lassen. Für sie die richtige Formulierung zu wählen. Mit Prägnanz und Kürze der Aufmerksamkeitsspanne entgegentreten.