Was ist Green Webdesign?

Green Buildings, Green Smoothies und Green Fuel – mittlerweile gibt es für alles Erdenkliche eine grüne Version. Nicht alle vermeintlich grünen Produkte sind es auch wirklich, denn hinter der Öko-Fassade kann sich auch Greenwashing verstecken. Dabei handelt es sich um reines Marketing ohne echte Nachhaltigkeitsmaßnahmen, um vom grünen Trend zu profitieren.

Von solchen Versuchen, sich ein grünes Image aufzubauen, möchten wir bei nova Abstand nehmen. Mit unseren digitalen Produkten sind wir dabei in einer anderen Situation als Unternehmen, die analoge Produkte verkaufen und zum Beispiel auf eine nachhaltigere Verpackung aus Pappe umsteigen können. In der Online-Welt kann es durchaus herausfordernd sein, umweltfreundlich zu agieren – doch wir wollen dazulernen und versuchen, nachhaltiger zu handeln. Ein Ansatz dafür ist Green Webdesign.

Aber was ist das eigentlich? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, besuchen Seyran und ich ein Online-Seminar der Akademie für Design und Nachhaltigkeit.

Als erstes werden wir aufgeklärt, warum Green Webdesign ein wichtiges Thema in der digitalen Branche ist: Derzeit hat jeder Mensch in Deutschland einen durchschnittlichen CO2-Fußabdruck von zwölf Tonnen pro Jahr – klimaverträglich wären allerdings nur zwei Tonnen. Alleine durch den Gebrauch von Internet, Fernseher, Smartphone und Laptop stößt jede*r Deutsche jährlich ungefähr 0,85 Tonnen CO2 aus. Im Klartext heißt das: Wir müssen unseren digitalen CO2-Fußabdruck deutlich verringern, um den Klimawandel zu stoppen.

Was können wir im Webdesign tun?

Um Daten und somit Energie und CO2 zu sparen, können wir für Websites zum Beispiel eine Art “Daten-Budget” festlegen. Zurzeit ist die durchschnittliche Website zwei Megabyte groß, ein Ziel für sparsamere Seiten wären circa 140 Kilobyte – also rund 70% weniger.

Unser Dozent Otto erklärt, dass Bilder ein wichtiger Punkt beim Green Webdesign sind, denn sie machen etwa die Hälfte des CO2-Fußabdrucks einer Webseite aus. Um Ressourcen zu sparen, sollten sie daher sparsam und gut überlegt eingesetzt werden. Spezielle Formate wie WEBP und HEIF ermöglichen es, Bilder und Grafiken in kleineren Dateigrößen hochzuladen. Videos spielen ebenfalls eine Rolle: Sie können je nach Möglichkeit durch SVG-Animationen oder Audios ersetzt werden. Auch der Upload im sparsameren HTML5/WEBM-Format kann helfen, um Daten zu sparen. Außerdem sollte auf automatisches Abspielen verzichtet werden – das nervt die meisten User sowieso. Das nächste Thema ist Typografie, denn auch für die Schriften im Web müssen Daten geladen werden. Otto erklärt, dass wir besser Systemschriften verwenden und nur wenige unterschiedliche Schriftarten und Schriftschnitte einsetzen sollen. Um die Größe von Schriftdateien zu optimieren, können wir sie in das WOFF-Format konvertieren. Er gibt auch den Tipp, keine Webfont-Abos abzuschließen, sondern die Webfonts selbst auf einem nachhaltigen Hoster zu hosten. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, variable Schriften zu verwenden – das machen wir bei nova bereits. Durch ihre Varianz müssen sie nur einmal geladen werden und wir benötigen keine weiteren Schriftschnitte mehr. So sparen wir Daten und Energie!  

Dann fängt Otto an, von Programmierung zu reden. Ohje, schnell ein paar Notizen für die Entwickler machen! Wir lernen, dass auch die Programmierung einer Website oder App ihren Energieverbrauch und CO2-Ausstoß beeinflussen kann. Eine schlanke und codesparende Programmierung reduziert die Datenmenge – dabei eignet sich zum Beispiel Tool CodeKit, um den Code zu komprimieren und so Daten zu sparen. Statt großen Bibliotheken sollen besser modulare Frameworks eingesetzt werden, und auch die Wiederverwendung von Code macht die Programmierung effizienter und spart Energie.

Schließlich geht es um das Hosting der Website: Hier soll die Auslieferung der Website an den Client möglichst sparsam erfolgen. Mittlerweile bieten viele Webhosting-Anbieter ein Green Hosting an, bei dem die Server mit Ökostrom betrieben werden. Wir nehmen den Tipp mit, die optimale Servergröße auszurechnen, um nicht unnötig einen zu leistungsfähigen Server zu betreiben. Als Hausaufgabe nehmen wir außerdem noch mit, im Backend der Websiten mal wieder aufzuräumen. Hier sollen wir als Redakteure und Redakteurinnen regelmäßig die Daten strukturieren und alte, nicht mehr benötigte Daten löschen.

CO2-Ausstoß einer Website berechnen

Im Online-Seminar haben wir ein spannendes Tool kennengelernt, das wir gerne noch erwähnen möchten. Mit Websitecarbon lässt sich der CO2-Ausstoß einer Website berechnen und mit anderen Websites vergleichen. Hier erfährt man auch, wie viele Bäume man pflanzen müsste, um die Emissionen auszugleichen. Wir freuen uns, dass nova.digital die Bewertung “cleaner als 75% der getesteten Websites” erhält! Drei Bäume pflanzen sollten wir trotzdem – vielleicht eine Idee für das nächste Teamevent?

Umso mehr freuten wir uns darüber als sich Pascal, seines Zeichens Teamlead der Webentwicklung, unlängst dafür entschied, einen fünftägigen Workshop zu besuchen. Das Schönste daran: er gewährt uns allen nun einen Einblick und berichtet über die Learnings, die er für seinen Arbeitsalltag mitnehmen konnte.

 

“Die genaue Bezeichnung des Workshops lautete ‚Front-End Accessibility Masterclass‘. Im ersten Moment klingt das sehr hochgestochen, aber im Grunde wurden in diesem Workshop verschiedene und aktuelle Themen des Bereichs Barrierefreiheit unter die Lupe genommen. Unter digitaler Barrierefreiheit versteht man, dass Webseiten so gestaltet werden, dass sie auch von Menschen mit bestimmten Einschränkungen, wie bspw. einem geringen Sehvermögen, genutzt werden können. 

 

Der Workshop hatte viele Themen. Sie reichten von der komplexen technischen Perspektive bis hin zur einfachen Bedienung. Auch wurden Tools vorgestellt, mit denen eine Simulation diverser Einschränkungen erstellt werden konnte. Auf diese Weise wurde z.B. getestet, ob Webseiten einer Rot-Grün-Sehschwäche standhalten würden. Das war spannend zu sehen und sorgte für einige Überraschungen.   

 

Natürlich gab es auch den Live-Test. Webseiten wurden auf ihre Barrierefreiheit gemeinsam untersucht. Funfact: Der Weg für die Online-Zugfahrt ist in Deutschland noch gar nicht mal so barrierefrei. Österreich und Italien schnitten hier – laut Kursgeberin – deutlich besser ab. Man bekam schnell ein Gefühl dafür, dass wir manche Punkte noch besser machen können. 

 

Die vielen Themenbereiche und Learnings brauchten Zeit. Der Workshop ging daher über fünf Tage. Der bekannte ‚Klick‘ stellte sich bei mir tatsächlich in dem Moment ein, als ich gesehen habe, was für Möglichkeiten es eigentlich gibt, für eine gute Barrierefreiheit zu sorgen. Und wie einfach genau diese Dinge teilweise umzusetzen sind. Diese Einsicht war irgendwie erschreckend. Etwas mehr anstrengen und wir könnten manche Websites deutlich barrierefreier gestalten! 

 

In meiner bisherigen Laufbahn habe ich noch nie einen so tiefen Einblick in dieses Thema bekommen. Das schließt auch meine Ausbildung mit ein, in der genau dieses Gebiet eigentlich eine lehrreiche und wichtige Unterrichtseinheit ergeben würde. Natürlich ist das Ganze aber auch nicht völlig trivial und auf vieles muss gezielt geachtet werden. Aber wenn dieser Blick von Anfang an in das Projekt eingearbeitet und mitgedacht wird, also schon Teil bei den first steps ist, dann lässt sich das auch umsetzen.

 

Durch den Workshop habe ich ein Gespür für diese Themen bekommen und meine Skills erweitert. Ich weiß nun, worauf ich achten muss und versuche, dieses Wissen in meinen Arbeitsalltag einzubauen.”

In meinem Arbeitsalltag versuche ich seitdem, wenn es irgendwie geht, diese Dinge auch anzuwenden. Ich frage mich selbst: Wurde die Website für die Barrierefreiheit optimiert? Sind die Farben und Kontraste darauf abgestimmt? Was passiert, wenn ich mit meinen Tools eine Einschränkung simuliere? Kann man die Website dann überhaupt noch nutzen?