Das Datum

04. Mai 2020

Der Autor

Caroline Knoch

Das Thema

allgemein
homeoffice
social distancing
team
wirbleibenzuhause

Homeoffice – jeder kann mitreden

Gestern habe ich mit meiner Mutter telefoniert. Sie hat mir ganz stolz erzählt, dass sie mein ehemaliges Kinderzimmer jetzt zu ihrem ganz persönlichen Homeoffice umfunktioniert hat. Sogar ein Foto habe ich davon erhalten, wie ihr Laptop jetzt auf genau dem Schreibtisch steht, an dem ich damals fürs Abi gelernt habe. Beim Gespräch mit meinen Freunden das gleiche Thema: Sie hätten sich nach einem holprigen Start jetzt doch an das Arbeiten von zu Hause gewöhnt und könnten die aktuelle Situation jetzt langsam akzeptieren.

Das hat mich verwundert. Wieso wird dem Ort, an dem ich arbeite, eine so große Bedeutung beigemessen? Wie kann das Thema Homeoffice so viel Gesprächsstoff liefern? Doch dann habe ich es verstanden: In Corona-Zeiten ist die Arbeit im Homeoffice das neue Wetter. Spätestens seit den Schulschließungen Mitte März hat sich in den deutschen Haushalten so einiges verändert und darüber muss natürlich gesprochen werden. Jeder will (oder muss) jetzt Teil der neuen digitalen Community sein.

Meine persönliche digitale Community, also meine Kollegen, sehe ich seit mittlerweile acht Wochen nur noch auf meinem 15-Zoll-Laptop bei unseren täglichen Videokonferenzen. Als Digitalagentur haben wir frühzeitig reagiert, die Hardware aus dem Office unter die Arme geklemmt und unsere Arbeit problemlos in die eigenen vier Wände verlagert. Jetzt wird eben von Zuhause aus konzipiert, gestaltet und entwickelt. Wenn das WLAN läuft, läuft bei uns auch alles unverändert weiter: Logos werden gestaltet, Workshops werden abgehalten (natürlich digital, das versteht sich ja von selbst) und Websites gehen online. Also alles wie immer?

Etwas hat sich doch verändert. Ich habe festgestellt, dass wir trotz oder gerade wegen der Distanz mehr miteinander kommunizieren. Die Anzahl meiner geschriebenen Worte hat sich verdoppelt, die Zeit der Telefonate sogar verdreifacht. Ich erinnere mich an Tage im Büro, an denen ich Sätze, die ich mit meinen Kollegen gesprochen habe, an einer Hand abzählen konnte. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Schon komisch, dass erst eine Pandemie kommen musste, um uns näher zusammen zu bringen. Jetzt weiß ich, wer den Arbeitstag mit einem Sonnengruß beginnt, in der Mittagspause mit seinem Hund spazieren geht oder den Tag musikalisch an der Gitarre ausklingen lässt – und ich weiß jetzt, wie die Wohnzimmer meiner Kollegen aussehen und wen ich in die Schublade Schlendrian oder Putzteufel stecken kann.

Ich habe mich, wie auch meine anfangs beschriebenen Freunde, an die Arbeit in Isolation gewöhnt. Ich habe mich an den Smalltalk mit dem Nachbarn von gegenüber gewöhnt, der natürlich in der gleichen Situation steckt und ich habe mich daran gewöhnt, stundenlang mit meinem Laptop zu sprechen. Ich hoffe dennoch, dass wir bald zurück in unsere Büroräume gehen und wieder gemeinsam Ideen entwickeln können. Ich hoffe, dass das Arbeiten im Homeoffice kein Zwang bleibt, sondern wieder zur Option wird und ich hoffe, dass wenn ich wieder an meinem Schreibtisch sitze, mein Kaktus noch lebt, der dort momentan eisern die Stellung hält.

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